Meine erste Begegnung mit einer Rettungsinsel - ein Erfahrungsbericht

Rettungsinsel - hat jeder schon einmal gehört und im Katalog gesehen, wenige haben sie mal live erlebt, und hoffentlich noch keiner wirklich benötigt.

Am 29.02.2004 hatten wir nun Gelegenheit uns intensiver mit Rettungsinseln zu befassen. Dank der Vermittlung durch Kurt Pastors konnte eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der IPA-Wuppertal (Internationale Police Association), der DLRG-Gruppe der Polizei Wuppertal, den Baldeneyer Fahrtenseglern und dem SVL ein Training mit Rettungsinseln organisiert werden.

So trafen wir uns dann an einem sonnigen Sonntagmorgen gegen 11:30 Uhr am Parkplatz hinter der Autobahnausfahrt Sprockhövel, um gemeinsam den Weg nach Wuppertal zum Schwimmbad der Polizei im Wuppertaler Stadtteil Lichtscheid zurückzulegen.

Die Tage zuvor hatte es noch kräftig geschneit. Die Höhen rund um Wuppertal zeigten sich in bezauberndem Weiß und es wurden sogar einige Skilangläufer gesichtet.

Die Parkplatzsuche am Ziel erwies sich allerdings als schwierig, da zeitgleich in der Halle neben dem Schwimmbad eine Skaterveranstaltung stattfand. Das veranlasste einige unserer Teilnehmer auch mal mitten im Schnee zu parken und erhöhte die Spannung, ob man denn auch später wieder herauskommt. Um es vorwegzunehmen: alle sind auch ohne Hilfe wieder nach Hause gekommen.

In der Schwimmhalle erwarteten uns dann schwüle 27°C Luft- und Wassertemperatur. Wer jetzt schon in voller Montur bereit zum Sprung ins Wasser war - wie z.B. unser lieber Werner Belling - , hätte genau so gut in die Sauna gehen sollen. Denn zuerst einmal war Theorie angesagt.

Herr Lenz vom Wassersportladen „Regatta Port Lenz“ aus Düsseldorf hatte umfang-reiches Demonstrationsmaterial mitgebracht, so dass auch dieser Teil nicht zu trocken geriet. Abgesehen einmal von den vier Jahre haltbaren Keks-Notrationen, die zum Probieren einluden. Nass, dagegen war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon der Werner. Der ca. 30-minütige Theorie-Teil war recht interessant und durch die Demonstration an der aufgeblasenen Rettungsinsel auch nicht zu langatmig. Herr Lenz blieb bei Fragen keine Antwort schuldig und zeigte sich sehr fachkompetent. Zwischendurch meine ich beobachtet zu haben, dass es den einen oder anderen ziemlich juckte einmal die Signalraketen auszuprobieren. Werner Belling war mittlerweile auch schon ein paar Kilo leichter geworden.

Neben der Rettungsinsel, die der Wassersportladen mitbrachte, hat auch Kurt Pastors seine eigene Rettungsinsel zur Verfügung gestellt. So konnten wir an zwei verschiedene Inseln den Einstieg üben. Während Kurts Insel eine komfortable Einstiegsrampe vorwies, war die andere mit einer konventionellen Leiter ausge-stattet.

Interessant war bereits der Vorgang des Aufblasens, zu sehen wie sich aus einem relativ kleinem Paket nach Ziehen der Leine eine vielfach größere Rettungsinsel formt.

Nachdem die ersten den Sprung ins Wasser wagten, war auch für die meisten anderen kein Halten mehr. Bald tummelte sich eine bunte Schar im Wasser. Der Sprung von Werner war übrigens mit einem erleichterten Gesichtsausdruck verbunden.

Ich selbst habe mich noch eine Weile zurückgehalten. Ich war mental nicht darauf vorbe-reitet in kompletter Montur ins Wasser zu springen. Ich habe meinen guten Trainingsanzug mitgebracht, der eigentlich nicht hätte nass werden, sondern mich warm halten sollen. Aber angesichts der Temperaturen und des spaßigen Getümmels habe ich mich dann doch überwunden meinen Trainingsanzug zu wässern. Normalerweise ist man im Notfall auch nicht nur mit einer Badehose bekleidet. Es ist sinnvoll den Einstieg mit schwerer nasser Kleidung unter realistischen Bedingungen - sehen wir mal vom Wellengang und den Temperaturen ab - zu üben. Also sprang ich mit beherztem Kopfsprung ins Wasser und tauchte ohne - nein nicht ohne Hose - aber ohne Brille wieder auf. Ich hatte wohl zuviel Vertrauen in das Sitzvermögen meiner Sportbrille.

Nun hatte ich ein Problem. Ich scheiterte zwar nicht am Tauchen, jedoch sehe ich unter Wasser ohne Brille genauso wenig, wie über Wasser ohne Brille. Ein Kilo Blei hätte ich vielleicht auch ohne Brille gefunden, aber eine Brille mit schmalem hellen Rand bestimmt nicht. Hilfe nahte allerdings sofort durch Karl-Heinz Heinert und Markus Hüls, die fast wettkampfmäßig um die Bergeprämie tauchten. Verdient hat sie sich letztlich Markus. Aber auch an Karl-Heinz an dieser Stelle noch einmal besten Dank.

Als erstes habe ich mich an der Rettungsinsel mit der Leiter versucht. Leider war der untere Auftritt bereits abgerissen, was den Einstieg sehr erschwerte. Es war nicht leicht, doch es ging noch soeben. Natürlich darf das im Ernstfall nicht passieren. Es scheint mir generell sinnvoll zu sein, dass zuerst eine kräftige Person in die Rettungsinsel steigt, um den Schwächeren beim Einstieg zu helfen. Egal, ob mit oder ohne intakter Leiter. Vom Wasser aus kann man keine große Hilfe leisten. Mit vier Personen war dann die Insel voll besetzt. Es war sehr beengt und die Vorstellung damit ev. mehrere Tage auf See zu verbringen ist beängstigend.

Danach habe ich Kurts Insel mit der Einstiegsrampe erobert. Das ging schon wesentlich besser und komfortabler. Ich nehme an, diese Erfahrung haben die anderen Teilnehmer mehr oder weniger auch gemacht.

Gegen 14.00 Uhr war die Veranstaltung dann langsam zu Ende. Der eine oder andere tollte noch an den Inseln herum, einige schwammen noch ein paar Bahnen oder quatschten miteinander.

Alle Teilnehmer - denke ich - haben das Training als sehr lehrreich empfunden, zumal der Spaß dabei auch nicht zu kurz kam. Wir danken der Polizei in Wuppertal für die Ermöglichung des Trainings und der Bereit-stellung des Schwimmbades sowie Kurt Pastors für die Organisation und die Bereitschaft seine Rettungsinsel zur Verfügung zu stellen.

Es war aus meiner Sicht auf jeden Fall eine lohnende Veranstaltung, die man regelmäßig wiederholen sollte um das Erlernte und Geübte aufzufrischen, Vor allem auch für die-jenigen, die nicht dabei waren und die beim Lesen des Artikels auf den Geschmack gekommen sind.

Doch ich hoffe, dass wir bis zum nächsten Rettungsinsel-Training nicht erst bis zum nächsten 29. Februar warten müssen.....

..... den gibt es nämlich bekanntermaßen erst in 4 Jahren wieder.

Andreas Jakobi


[ home [ home | svl | Optisegeln | termine | Steg-Fest | 25JahreSvL | 30JahreSvL |
| Ruhrpott | Schäkel | plattbodentoern | Kenteruebung-text | kenteruebung2004 | kontakt | links | archiv ]